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Kapitel V3 Arbeiten

Freiberufler werden in der Kreativbranche: freiberuflich anmelden und Stundensatz berechnen

Wer in der Kreativbranche Freiberufler werden will, stellt früher oder später dieselben Fragen zu Ausbildung, Bürokratie und Finanzen. Dieses Kapitel beantwortet sie praktisch, dazu kommt eine Geschichte aus der Forenzeit von Supertopic.de: das Befreiphone.

In diesem Kapitel

  1. 01Das Befreiphone: die Geschichte des legendären SEO-WettbewerbsWie ein erfundenes Wort 2008 die halbe deutsche SEO-Szene beschäftigte.Rückblick
  2. 02Freiberuflich werden: der Weg vom Hobby zum BerufWas vor der Anmeldung beim Finanzamt zu klären ist.
  3. 03Was ist ein Freelancer? Definition, Vor- und NachteileDer Unterschied zwischen Freelancer, Freiberufler und Gewerbetreibendem – praktisch erklärt.

Freelancer werden heißt nicht automatisch Freiberufler sein

Wer kreativ selbstständig arbeiten will, stolpert als Erstes über die Begriffe. „Freelancer“ beschreibt nur die Arbeitsweise, „Freiberufler“ ist ein steuerlicher Status, und der Unterschied entscheidet über Gewerbesteuer und IHK-Pflicht. Freelancer werden kann man mit dem ersten Auftrag, Freiberufler ist man erst, wenn die Tätigkeit steuerlich so eingeordnet wird. Wer sich als Freiberufler anmelden will, sollte deshalb vorher wissen, in welche Gruppe er gehört. Was ist ein Freelancer? sortiert das praktisch, mit den ehrlichen Vor- und Nachteilen, die es mit sich bringt, Freelancer zu werden.

Freiberufler werden: freiberuflich anmelden

Aus dem ersten bezahlten Auftrag wird eine Pflicht: sich freiberuflich anmelden. Wer die freiberufliche Tätigkeit anmelden muss, nutzt dafür den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung in ELSTER, und zwar innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit. Freiberuflich werden erklärt, welche vier Angaben dabei wirklich zählen und warum die Formulierung der eigenen Tätigkeit so viel Gewicht hat. Wer Freiberufler werden will, legt mit diesem Text im Fragebogen fest, wie das Finanzamt ihn einordnet. Die Artikel ersetzen keine Steuerberatung, aber sie sorgen dafür, dass man mit den richtigen Fragen hineingeht.

Wie Freelancer den Stundensatz berechnen

Der häufigste Fehler beim ersten Angebot ist, das alte Bruttogehalt durch die Arbeitsstunden zu teilen. Wer als Freelancer den Stundensatz so ansetzt, vergisst fast alles, was ein Arbeitgeber bisher still mitbezahlt hat: Urlaub, Krankheitstage, den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, Software und Rechner, dazu die Stunden für Akquise, Buchhaltung und E-Mails, die kein Kunde bezahlt. Wer seinen Stundensatz berechnen will, geht deshalb andersherum vor. Am Anfang stehen das gewünschte Einkommen und alle Kosten eines Jahres. Geteilt wird durch die Stunden, die sich tatsächlich abrechnen lassen, und das sind nach Urlaub, Krankheit und Verwaltung deutlich weniger als die Arbeitszeit einer Vollzeitstelle. Mit diesen Zahlen lässt sich der eigene Stundensatz berechnen, bevor das erste Angebot rausgeht. Das lohnt sich, denn ob Freelancer den Stundensatz später erhöhen können, hängt stark vom ersten Preis ab.

Welche freien Berufe die Liste in § 18 EStG nennt

Ob du Freiberufler werden kannst oder ein Gewerbe anmelden musst, entscheidet § 18 des Einkommensteuergesetzes. Die freien Berufe listet der Paragraf in drei Gruppen auf. Zuerst nennt er Tätigkeiten, nämlich wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Arbeit. Danach folgen Katalogberufe von Ärzten über Architekten bis zu Journalisten, Bildberichterstattern, Dolmetschern und Übersetzern, und schließlich Berufe, die einem dieser Katalogberufe ähnlich sind. Wer zu den freien Berufen der Liste gehört, braucht keine Gewerbeanmeldung und zahlt keine Gewerbesteuer. Fotojournalistinnen fallen als Bildberichterstatter darunter, eigenständig gestaltende Designer meist als künstlerisch Tätige. Wer vor allem Vorlagen anpasst oder Produkte verkauft, gilt dagegen eher als gewerblich.

Und die beste Geschichte aus der alten Arbeitsgruppe

2008 wurde ein Supertopic-Thread zu einem der sichtbarsten Sammelpunkte eines bundesweiten SEO-Wettbewerbs. Das Befreiphone erzählt, wie ein erfundenes Wort die halbe deutsche SEO-Szene beschäftigte, belegt mit Auszügen aus dem Originalthread.

Bevor du dich als Freiberufler anmeldest

Die meisten, die hier landen, haben eine konkrete Situation vor Augen: den ersten Auftrag, der plötzlich bezahlt wird, oder den Plan, den Job zu reduzieren. Die Reihenfolge der Fragen ist dabei fast immer dieselbe. Zuerst geht es um die Einordnung. Bist du Freiberufler oder betreibst du ein Gewerbe? Davon hängt ab, ob das Gewerbeamt und die IHK überhaupt eine Rolle spielen. Erst danach solltest du dich als Freiberufler anmelden, weil die Tätigkeitsbeschreibung im Fragebogen genau diese Einordnung vorwegnimmt.

Viele Entscheidungen fallen außerdem früher, als man denkt. Ob die Kleinunternehmerregelung sinnvoll ist, hängt davon ab, ob du eher Privatleute oder Firmen als Kunden hast. Ob du nebenberuflich startest, entscheidet mit darüber, wie du krankenversichert bist und was dein Arbeitgeber wissen muss. Und der Preis der ersten Aufträge setzt sich fest, weil Empfehlungen meist zum selben Satz weitergereicht werden. Die Artikel in diesem Kapitel sind so geschrieben, dass du diese Punkte vor dem Absenden des Fragebogens durchgehen kannst und nicht erst danach.

Weitere Texte in diesem Kapitel

Drei Ratgeber vertiefen die Themen, die hier nur angerissen werden. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Anmeldung zeigt, wie man sich freiberuflich anmelden muss, vom ELSTER-Konto über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bis zur Steuernummer. Ein Text zur Honorarkalkulation zeigt, warum Gehalt geteilt durch Stunden nicht funktioniert und wie aus Kosten, realistisch gezählten Jahresstunden und nicht abrechenbarer Zeit ein Stundensatz wird. Und ein Überblick über die freien Berufe erklärt, welche Kategorien das Gesetz kennt und wo kreative Tätigkeiten dabei hineinfallen. Sobald ein Text erschienen ist, steht er oben in der Liste.

Häufige Fragen

Ersetzt das eine Steuerberatung?

Nein. Die Artikel hier ordnen ein und erklären den Ablauf – für die verbindliche Einzelfallberatung braucht es weiterhin Finanzamt oder Steuerberatung.

Bin ich als Designerin oder Fotograf automatisch Freiberufler?

Nicht automatisch. Das Einkommensteuergesetz nennt in § 18 unter anderem künstlerische, schriftstellerische und journalistische Tätigkeiten. Wer eigenständig gestaltet, wird meist als künstlerisch tätig eingestuft. Wer vor allem Vorlagen anpasst, Druckprodukte weiterverkauft oder einen Shop mit eigenen Motiven betreibt, gilt eher als gewerblich. Hochzeitsfotografie mit Verkauf von Abzügen liegt in einem Graubereich. Die Einordnung trifft das Finanzamt, und zwar anhand deiner Tätigkeitsbeschreibung im Fragebogen, deshalb lohnt es sich, diese genau zu formulieren.

Muss ich mich anmelden, wenn ich nebenbei nur wenig verdiene?

Ja. Die Anmeldung beim Finanzamt hängt nicht vom Betrag ab, sondern davon, dass du eine selbstständige Tätigkeit mit Wiederholungsabsicht aufnimmst. Die oft zitierte 410-Euro-Grenze betrifft nur die Steuer. Für Angestellte bleiben Nebeneinkünfte bis zu diesem Gewinn über den Härteausgleich steuerfrei, von der Anmeldung befreit das aber nicht.

Was ist die Künstlersozialkasse, und komme ich da rein?

Die KSK übernimmt für selbstständige Künstler und Publizisten etwa die Hälfte der Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, ähnlich wie ein Arbeitgeber. Voraussetzung ist grundsätzlich ein Jahreseinkommen aus der künstlerischen Arbeit von mindestens 3.900 Euro, in den ersten drei Jahren gelten für Berufsanfänger Ausnahmen. Die KSK prüft nicht von sich aus, wer infrage käme. Du musst den Antrag also selbst stellen und die Tätigkeit mit Arbeitsproben belegen.

Worum ging es beim Befreiphone?

Um einen SEO-Wettbewerb im September 2008. Das Online-Magazin Macnotes hatte das Kunstwort „Befreiphone“ erfunden, und wer bei Ablauf der Frist bei Google auf Platz 1 stand, gewann ein iPhone 3G ohne SIM-Lock. Ein Supertopic-Thread wurde zu einem der sichtbarsten Sammelpunkte des Rennens. Die ganze Geschichte steht im Artikel Das Befreiphone.