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Die Supertopic-Emoticons: ein Stück Forengeschichte

Lange bevor Unicode-Emoji auf jedem Gerät gleich aussahen, hatte praktisch jedes deutsche Forum sein eigenes, handkuratiertes Set animierter Smilies – kleine GIFs, oft von Community-Mitgliedern selbst gebastelt oder gesammelt, die dem eigenen Forum eine unverwechselbare Note gaben. Supertopics eigene Sammlung war entsprechend eigenwillig: baeh (für den Ekel-Smiley), kotz (deutlicher geht kaum), vogel (die klassische "du hast doch einen Vogel"-Geste), hoerthoert, schimpf2, nudgenudge, headspin, smoke, jump und honks gehörten zum festen Repertoire.

Anders als bei vielen Foren war das Set allerdings nicht zusammengesammelt, sondern eigens gestaltet: Laut der damaligen Übersichtsseite entwarf die Designerin Katharina Moelle die Figuren für Supertopic – 108 Motive in sieben Gruppen von „Freude“ bis „Verwirrt & Überfordert“, samt eigener Halloween-Ausgabe, frei unter Creative-Commons-Lizenz und als Download-Paket auch für die Chat-Programme Miranda und Adium. Ein Teil der Originaldateien ist bis heute erhalten:

Freude 9 von 29 erhalten

  • Original-Emoticon :smiler:smiler
  • Original-Emoticon :lol:lol
  • Original-Emoticon :lol4:lol4
  • Original-Emoticon :metal:metal
  • Original-Emoticon :five:five
  • Original-Emoticon :trippel:trippel
  • Original-Emoticon :love:love
  • Original-Emoticon :huhu:huhu
  • Original-Emoticon :jump:jump

Übel & Gefährlich 3 von 20 erhalten

  • Original-Emoticon :schimpf2:schimpf2
  • Original-Emoticon :peng:peng
  • Original-Emoticon :hammer2:hammer2

Besserwisser 4 von 12 erhalten

  • Original-Emoticon :werber:werber
  • Original-Emoticon :hoerthoert:hoerthoert
  • Original-Emoticon :vogel:vogel
  • Original-Emoticon :tuschel:tuschel

Verwirrt & Überfordert 5 von 17 erhalten

  • Original-Emoticon :ouw:ouw
  • Original-Emoticon :stumm:stumm
  • Original-Emoticon :verlegen:verlegen
  • Original-Emoticon :planlos:planlos
  • Original-Emoticon :ohno:ohno

Halloween 1 von 3 erhalten

  • Original-Emoticon :zombie:zombie

Sonstige 5 von 21 erhalten

  • Original-Emoticon :koch2:koch2
  • Original-Emoticon :musik:musik
  • Original-Emoticon :leuchtturm:leuchtturm
  • Original-Emoticon :kopfstand:kopfstand
  • Original-Emoticon :hinundher:hinundher
Originaldateien, keine Nachzeichnung: 27 der ursprünglich 108 Supertopic-Emoticons, unverändert übernommen und hier nur vergrößert dargestellt. Gestaltet von Katharina Moelle für Supertopic, veröffentlicht unter CC BY-NC-ND 2.0 DE. Die übrigen 81 Motive – darunter :baeh, :kotz und :headspin – sind nicht als Bilddatei erhalten.

Von :-) bis zum animierten Smiley

Die Geschichte, an deren Ende solche Sets stehen, beginnt mit drei Satzzeichen. Am 19. September 1982 schlug der Informatiker Scott Fahlman auf einem internen Diskussionsbrett der Carnegie Mellon University vor, Witze mit der Zeichenfolge :-) zu kennzeichnen, weil ironische Beiträge dort regelmäßig missverstanden wurden. Für Ernstgemeintes empfahl er gleich das Gegenstück :-(. Es gab ältere Vorläufer, typografische Spielereien in Zeitschriften und Gedichten, aber Fahlmans Vorschlag war der erste, der sich als Konvention durchsetzte.

In Japan entwickelte sich ab Mitte der Achtzigerjahre unabhängig davon eine eigene Tradition, die Kaomoji, die man nicht seitlich gekippt, sondern aufrecht liest, etwa (^_^). Und 1999 zeichnete Shigetaka Kurita für den Mobilfunkdienst i-mode von NTT Docomo 176 Piktogramme auf einem Raster von 12 mal 12 Pixeln, die als Urform der heutigen Emoji gelten. Das Museum of Modern Art in New York hat diesen Satz 2016 in seine Sammlung aufgenommen.

Zwischen den getippten Zeichen und den standardisierten Emoji lag eine lange Übergangszeit, und genau in diese Lücke fielen die Forensmilies. Die Forensoftware der Nullerjahre ersetzte bestimmte Zeichenfolgen automatisch durch kleine Bilder. Wer :) tippte, sah im fertigen Beitrag ein gelbes Gesicht. Was welches Kürzel auslöste und wie das Bild aussah, bestimmte jede Community selbst.

Warum Text einen Tonfall braucht

Fahlmans Begründung von 1982 trifft den Kern, warum Foren ohne Smileys kaum auskamen. Geschriebene Sprache verliert alles, was im Gespräch nebenbei mitläuft: Tonfall, Mimik, ein Lachen am Ende des Satzes. Ein trockener Kommentar wie "Tolle Arbeit." kann in einem Forum ehrliches Lob sein oder beißender Spott, und in einer Community, in der ständig Arbeiten zur Kritik gestellt wurden, war dieser Unterschied alles andere als nebensächlich.

Ein Smiley hinter dem Satz löste das Problem mit einem einzigen Zeichen. Er stellte klar, wie etwas gemeint war, entschärfte harte Kritik oder markierte einen Witz als Witz. Je feiner das Repertoire, desto genauer ließ sich der Ton setzen. Ein Set mit sieben Gefühlsgruppen, vom Jubel bis zur Überforderung, war in diesem Sinne eine Art Satzzeichen-Erweiterung für eine Community, die viel schrieb und sich dabei selten sah.

Wie ein Forensmiley technisch funktionierte

Fast alle diese Figuren waren GIF-Dateien, und das hatte handfeste Gründe. Das Format beherrschte seit der Version GIF89a von 1989 Animation und Transparenz, es wurde von jedem Browser angezeigt, und bei winzigen Bildern mit wenigen Farben blieben die Dateien sehr klein. Für einen Smiley, der in einem langen Thread vielleicht hundertmal auf einer Seite auftaucht, war das wichtig, gerade in einer Zeit, in der viele noch mit langsamen Anschlüssen surften.

Die Einschränkungen des Formats prägten den Stil. Ein GIF kennt höchstens 256 Farben pro Bild und nur "durchsichtig" oder "nicht durchsichtig", keine weichen Übergänge. Kanten mussten deshalb Pixel für Pixel gesetzt werden, und ein Smiley, der auf hellem Hintergrund sauber aussah, bekam auf dunklem Grund oft einen hellen Rand. Gute Smiley-Gestaltung war darum echtes Pixelhandwerk: wenige Bilder pro Animation, klare Silhouette, eine Geste, die man auch in Briefmarkengröße sofort versteht. Wer sich die erhaltenen Dateien oben genau ansieht, erkennt genau diese Ökonomie.

Ein Set mit Autorin

Dass die Supertopic-Figuren eine namentlich bekannte Gestalterin haben, macht sie ungewöhnlich. Viele Foren der Zeit bedienten sich aus frei kursierenden Sammlungen, deren Herkunft niemand mehr nachvollziehen konnte, oder übernahmen, was die Forensoftware ab Werk mitbrachte. Ein eigens entworfenes Set mit 108 Motiven ist dagegen ein Designprojekt, mit einer durchgehenden Figur, einer einheitlichen Strichstärke und einer Gliederung nach Gefühlslagen.

Auch das Download-Paket für Miranda und Adium sagt etwas über die Zeit. Miranda war ein verbreiteter Chat-Client für Windows, Adium das Gegenstück auf dem Mac, und beide konnten mehrere Messenger-Netzwerke in einem Programm bündeln. Beide erlaubten eigene Emoticon-Pakete. Wer die Supertopic-Figuren mochte, konnte sie also aus dem Forum in die private Kommunikation mitnehmen, eine Art Markenbotschafter im Kontaktfenster.

Was "CC BY-NC-ND 2.0 DE" bedeutet

Laut der damaligen Übersichtsseite stand das Set unter der Lizenz Creative Commons BY-NC-ND 2.0 DE. Das Kürzel ist schnell entschlüsselt, jeder Baustein steht für eine Bedingung:

  • BY (Namensnennung): Wer die Werke verwendet, muss die Urheberin nennen.
  • NC (nicht kommerziell): Die Nutzung ist nur für nicht-kommerzielle Zwecke erlaubt.
  • ND (keine Bearbeitung): Die Werke dürfen nur unverändert weitergegeben werden.
  • 2.0 DE: die Version 2.0 der Lizenz in der an das deutsche Recht angepassten Fassung, wie sie damals üblich war.

Es ist die restriktivste der gängigen Creative-Commons-Kombinationen, und für ein Figurenset ergibt das Sinn. Die Gestalterin erlaubte, die Smileys zu verbreiten und zu benutzen, schloss aber aus, dass jemand sie umzeichnet oder verkauft. Deshalb zeigt diese Seite die erhaltenen Dateien unverändert, so wie sie 2008 auf dem Server lagen, und mit ihrem Namen.

Warum nur 27 Figuren erhalten sind

Von den 108 Motiven sind hier 27 zu sehen. Mehr Originaldateien haben das Ende des Forums nicht überdauert. Die 27 erhaltenen Smileys wurden Byte für Byte übernommen, nicht nachgezeichnet, nicht hochskaliert und nicht farblich angepasst, auch dort, wo die alten Transparenzkanten auf dem dunklen Hintergrund dieser Seite sichtbar werden.

Die übrigen Motive fehlen nicht, weil wir sie weggelassen hätten, sondern weil sie nicht überliefert sind. Sie aus der Erinnerung oder nach Beschreibung neu zu zeichnen, käme nicht infrage, schon wegen der Lizenz, die Bearbeitungen ausschließt, und auch, weil eine Rekonstruktion etwas anderes wäre als das Original. Eine Lücke im Kasten ist ehrlicher als ein nachgebauter Smiley, der so tut, als stamme er von 2008.

Warum andere Seiten auf Smiley-Sammlungen verlinkten

Eine Übersichtsseite mit Smileys klingt unscheinbar, war damals aber gefragt. Eigene, charakterstarke Smiley-Sets waren ein echtes Identitätsmerkmal einzelner Communities, und andere Foren oder private Homepages verlinkten gezielt auf Sammlungen, die ihnen gefielen, oft mit der Bitte um Erlaubnis, sie selbst zu übernehmen.

Eine frei lizenzierte, gut gemachte Sammlung mit Download-Paket war für solche Seiten doppelt attraktiv: Man durfte sie verwenden, und die Lizenz verlangte ausdrücklich, die Quelle zu nennen. Wer sich an die Regeln hielt, nannte also die Quelle, und im Web hieß das meistens: ein Link. Verweise dieser Art entstanden nicht durch Linktausch, sondern durch Material, das andere tatsächlich brauchten.

Was das über die damalige Netzkultur erzählt

Eine handgemachte Emoticon-Sammlung war Ausdruck von Eigenständigkeit in einer Zeit, in der es noch keine plattformübergreifenden Standard-Emoji gab. Jedes Forum, das etwas auf sich hielt, hatte seinen eigenen visuellen Wortschatz für Ironie, Ärger oder Zustimmung – nicht austauschbar, nicht standardisiert, sondern erkennbar zugehörig zu genau dieser einen Community.

Mit diesen Figuren war es wie mit Insiderwitzen. Ein vogel oder ein hoerthoert unter einem Beitrag bedeutete in einem Forum etwas, das Außenstehende nur halb verstanden. Die Namen der Dateien verraten, wie deutsch und wie umgangssprachlich dieser Wortschatz war: Kein internationales Set hätte einen Smiley für "Hört, hört!" vorgesehen. Die Smileys gehörten, wie Ränge, Signaturen und Avatare, zu den Mitteln, mit denen ein Forum sich von allen anderen unterschied, und im GIF-Thread sieht man, wie viel Spaß diese Community generell an kleinen animierten Bildern hatte.

Warum eigene Smileys verschwanden

Den Anfang vom Ende markiert ein technischer Standard. Mit Unicode 6.0 wurden im Oktober 2010 Emoji offiziell in den Zeichensatz aufgenommen, nachdem Google und Apple das seit 2007 vorangetrieben hatten. 2011 machte Apple mit iOS 5 die Emoji-Tastatur weltweit zugänglich. Von da an war ein lachendes Gesicht kein Bild mehr, das ein Forum auf seinem Server ablegen musste, sondern ein Buchstabe, den jedes Handy kennt. Oxford Dictionaries kürte 2015 sogar das Emoji "Gesicht mit Freudentränen" zum Wort des Jahres.

Gleichzeitig verlagerte sich die Unterhaltung ohnehin weg von den Foren, hin zu sozialen Netzwerken und Messengern, die ihre eigenen, einheitlichen Emoji mitbringen. Ein handgezeichnetes Set passte dort nicht mehr hinein. Einiges davon lebt in anderer Form fort, etwa bei den Sticker-Paketen in Messengern oder bei eigenen Emotes auf Discord- und Twitch-Kanälen, die wieder dasselbe leisten wie früher der Forensmiley: ein Zeichen, das nur die eigene Gruppe versteht.

Wir zeigen die erhaltenen Figuren hier nicht, um sie wieder in Umlauf zu bringen – dafür haben moderne Emoji das Feld längst übernommen. Aber als Stück Forengeschichte, das zeigt, wie viel Gestaltung in einem einzigen Satzzeichen-Ersatz stecken konnte, sind sie es wert, festgehalten zu werden.

Häufige Fragen

Wer hat die Supertopic-Smileys gestaltet?

Laut der damaligen Übersichtsseite des Forums die Designerin Katharina Moelle. Sie entwarf für Supertopic 108 Motive in sieben Gruppen von „Freude“ bis „Verwirrt & Überfordert“, dazu eine eigene Halloween-Ausgabe. Anders als viele Foren der Zeit hatte Supertopic damit ein eigens gestaltetes Set statt einer zusammengesammelten Sammlung.

Darf ich die Smileys heute noch verwenden?

Die damalige Übersichtsseite nennt als Lizenz CC BY-NC-ND 2.0 DE. Erlaubt ist damit die Weitergabe unter drei Bedingungen: mit Namensnennung der Urheberin, nur für nicht-kommerzielle Zwecke und nur unverändert. Umzeichnen, neu einfärben oder in ein verkauftes Produkt einbauen deckt die Lizenz nicht. Ob ein konkreter Einsatz noch als nicht-kommerziell gilt, kommt auf den Einzelfall an.

Warum sind nur 27 der 108 Motive zu sehen?

Nur von diesen 27 ist die Originaldatei heute noch erhalten. Die übrigen 81 Motive sind mit dem Forum verschwunden. Die erhaltenen GIFs sind Byte für Byte übernommen, ohne Nachzeichnen, Hochskalieren oder Farbkorrektur.

Warum werden die fehlenden Smileys nicht nachgezeichnet?

Aus zwei Gründen. Die Lizenz schließt Bearbeitungen aus, und eine Rekonstruktion aus der Erinnerung oder nach Beschreibung wäre ohnehin nicht das Original. Wir lassen die Lücke im Kasten deshalb lieber sichtbar.